Konzertreise Singspiration in Leipzig
Der Klassikchor Singspiration ist seit einigen Tagen wieder zurück in ihrer Heimat in Stade, von einer Konzertreise nach Leipzig. Nachdem sie einige Mitstreiter zurücklassen mussten, gingen die 21 SängerInnen, ihre Chorleiterin Sam Eu Jakobs mit etlichen Freunden und Gästen am 7.April 2016 früh morgens an Bord eines Luxusliners, der sie in 6 Stunden zu ihrem Wunschziel brachte. Der Beweggrund für die lange Anreise in die deutsche Kulturstadt, war die entstandene Idee eine ganz besondere Reise gemeinsam anzutreten, um ihr zehntes Entstehungsjahr gebührlich zu zelebrieren. taborSo bekamen sie eine sehr große Kirche mit einer gewaltigen Akustik, ganz nach dem Geschmack der Chorleiterin Sam Eu Jakobs, um ihr Jubiläumskonzert in der Fremde zu gestalten.
So fanden sie heraus, dass die lichtdurchflutete Taborkirche 1904 errichtet wurde und dem Berg Tabor geweiht ist, wo nach christlicher Überlieferung der Ort der Verklärung Jesu Christi gewesen sein sollte. Der Klassikchor Singspiration hatte vornehmlich die, mit vielen mühsamen Stunden geübte Kantate "Hallelujah, what a Saviour." von John W. Peterson selektiert und ins Gepäck getan, um es für sie das erste mal vor dem Leipziger Kultur verwöhnten Publikum zu präsentieren. Das Werk stellt das Leiden Christi bei der Kreuzigung , die Auferstehung und Himmelfahrt mit ihrer Botschaft für die Nachwelt, dar. So schien die "Location" sehr geeignet für das großartige, mitgebrachte Programm.
Neben den fast zerfletterten Noten aus der Kindheit von Sam Eu Jakobs und ihrem Bruder Johannes S. Leung, der mitgefahren ist, um das Werk am Klavier zu begleiten, hatten sie ein Schreiben aus Arizona mit freudigen Glückswunschbekundungen über die Auswahl ihres Festprogrammes von niemand geringerem als der Manager von John W. Peterson Music, Tom Catzere. Er und die Witwe vom Lieblingskomponisten würden sich ganz besonders freuen zu hören, dass das Werk, entstanden in 1957, nun in Leipzig aufgeführt werden sollte.
Das Konzert sollte im ersten Teil noch weitere Lieder von John Rutter und Bob Chilcott beinhalten, die mal chorisch, mal solistisch von der Sopranistin Delia Rosenzweig vorgetragen werden. Somit wurde es ein sehr harmonisch abgestimmtes Programm, was sich jedoch stark abhebt von dem Geist der vergangenen Genies der Stadt, wie J.S.Bach, W.A.Mozart, F.Mendelssohn-Bartholdy, deren Wirksamkeit dort noch zu spüren ist. Die mitgebrachten Komponisten sind alle aus dem anglizistischen Sprachräumen und haben sich vor allem in dem sacralen Musikbereich einen Namen gemacht. Die Spannung steigerte sich bis endlich die ersten Töne von "Look at the World" von J. Rutter sich bildeten. Sehr schnell haben die versierten ängerInnen ihre Stimmen in der üppigen Akustik platzieren können und man konnte verfolgen, wie ihre Augen erhellten, als ihnen immer besser das Spiel mit dem Hall gelungen ist. Fürwahr singt man doch anders in so einem flauschigen Teppich von Klang und Resonanzen. Immerhin, erinnerte man sich in solchen Momenten an die Ausführungen der Chorleiterin, dass man in so einer tollen Akustik doch sich gönnen sollte, die Töne genießerisch langsam zu nehmen und sie endlos ausklingen lassen. Bei dem sanften Rock Rhythmus des Sanctus aus der "Little Jazz Mass" von Bob Chilcott, wurde das Wagnis zunehmend groß, sich reinfallen zu lassen und den schwebenden Tönen nachzugeben. Es wurde ein besonderer Moment für Chor und Publikum, der alles um einen vergessen lässt. Gänsehaut haben die SängerInnen auch aus einer für das Publikum nicht sichtbare Motivation erzeugt. Sie wussten, dass just in dem Moment ihr Bob zuhause in England sein 61. Geburtstag feierte, was sie sehr beflügelte. Zwischen den Programmpunkten konnte sich der Chor sich setzen zum Ausruhen, während es solistische Lieder mit der Sopranistin zu hören gab. "A Gaelic Blessing" mit ihren hohen Anforderung vom Tonumfang, sowie das zarte "Pie Jesu" wurden von der Sängerin gleichermaßen mit viel Bravour präsentiert. Die beiden Lieder von Bob Chilcott, "Be thou my vision" und " This day", brachten die Zuhörer in eine für Chilcott typische Klangsphäre, die die junge Sängerin scheinbar mit völliger Selbstverständlichkeit umsetzte. Mit ihrer wohltimbrierten lyrischen Stimme hat Delia Rosenzweig ihre Lieder mit viel Professionalität in Szene gesetzt.
Nun kam es zu der Stelle, wofür die gesamte Unternehmung geplant war: "Hallelujah, what a Saviour". Die Kräfte und Energien kulminierten sich zum ersten gewaltigen Tuttichor mit der Hauptbotschaft der Kantate. Es sollte noch mal die Ostergeschichte nachverfolgt werden, unterlegt mit den Kompositionen des Meisters John W. Peterson, die jede Station des Leidens Christi und dessen Auferstehung so plastisch, gefühlvoll und lebendig darstellt, als ob alle dabei gewesen waren. Zeugen seiner Existenz, sowie die Szene des Frauenchores am Brunnen, die wir heute sicherlich den Mädelstreff nennen würden, die zusammengekommen waren um auszutauschen darüber, was sie vom Jesu am Tag zuvor erhaschen konnten. Allen voran mit Koh Muilin, Mezzosopran und Ingrid Görres, Alt im Duett. Eine herrlich verspielte Szene mit anmutigem Gesang der Frauen.
An anderer Stelle wurde die Geschichte von Jesus im Tempel dargestellt, wo er zornig die Tische umstieß da die Menschen dort ihren Handel und Glücksspiele machten." My House is a house of prayer!", eine dramatische Arie gesungen von Martin Rabe, Bariton, die vom Chor thematisch weitergeführt wurde. Sehr besonders berührend war die Szene im Garten von Gethsemane, herzzerreißend interpretiert von Ingrid Görres, Alt. Mit der Hintergrundsgeschichte von Jesu, der seine Jünger dort schlafend wiederfand, obwohl sie wussten, dass der Herr bald ausgeliefert werden würde, ja, auch sogar Johannes, sein freundschaftlicher Jünger, vermag die eindringlich dunkle Stimme der Sängerin die Nachwelt aus der menschlichen Ignoranz aufzurütteln. Es gesellte sich ein Frauen-Terzett zu ihr um ihr Nachdruck zu verleihen. Sie bedeckten sich ihre Häupter mit schwarzen Tüchern, was dem Publikum das Gefühl gab, sie wären sehr nah dabei gewesen. Der Höhepunkt der Kantate, sollte die Szene des gekreuzigten Herren sein, mit der Arie" Father forgive them". Die Letzten Worte Jesu, versöhnend, verzeihend, bereit im Reich Gottes aufgenommen zu werden. Sehr ergreifend von Martin Rabe, Bariton, gesungen.
Diese Schlüsselszene führt zum Schlusschor mit dem wiederkehrenden Anfangsmotiv mit einem majestätischen und anthusiastischem Finale. Der Klassikchor Singspiration hatte sich mit dem Werk ein hohes Ziel gesteckt und glanzvoll erreicht. Das Eintauchen in die Substanz des Stückes hat sich gelohnt und hatte die Herzen der Zuhörer erreicht und überzeugt. Die Musik von Peterson und auch der Inhalt, dessen Aufführung in Leipzig immer noch passend in die Passionszeit gefallen ist, hat es dem Chor sehr angetan und wurde zu ihrer Inspiration. Der roter Faden der dramaturgisch angelegte Stoff kam direkt aus der Bibel und wurde spannungsvoll auf deutsch rezitiert von Maren Köster-Hetzendorf. Das Jubiläumsprojekt "Hallelujah, what a Saviour " ist aufgegangen. Mit dem Abbau des Adrenalins, blieb der großartiger Chor noch einen restlichen Tag in Leipzig und setzte seine Tour fort.